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Blick auf die winterliche Spree in Berlin während der Dämmerung. Die tiefstehende Sonne spiegelt sich im Wasser zwischen Stadtgebäuden.
Bei Kälte und Trockenheit haben Grippeviren offensichtlich leichtes Spiel. Studienergebnisse zeigen, dass die Ausbreitung die Ausbreitung der Grippe von Wetterbedingungen abhängt. Image by wal_172619 from Pixabay

Neue Forschungsdaten zeigen: Niedrige Luftfeuchtigkeit und Temperaturen begünstigen die Ausbreitung des Influenza-A-Virus. Selbst kleine Wetterunterschiede zwischen Regionen beeinflussen die Intensität der Grippesaison. Details zur Studie erläutert die Erstautorin Dr. Elisabeth Pfrommer auch in der aktuellen Folge von „Mikroben im Visier“, dem Podcast des Forschungsverbunds Leibniz INFECTIONS.

 Die Ausbreitung saisonaler Grippewellen in Deutschland hängt stark von den Wetterbedingungen ab. Eine Studie unter Leitung des Forschungszentrums Borstel, Leibniz Lungenzentrum und weiterer Leibniz-Institutionen zeigt, dass kalte und trockene Luft die Übertragung des Influenza-A-Virus begünstigen. Selbst geringe regionale Unterschiede in Temperatur und Luftfeuchtigkeit können die Intensität der Grippesaison beeinflussen. Die Arbeit wurde in der Fachzeitschrift Aerobiologia veröffentlicht. Sie entstand im Rahmen des Forschungsverbunds Leibniz INFECTIONS.

Wetter als Motor der Virenausbreitung

Für die Studie analysierten Forschende epidemiologische Daten zu Influenza-Fällen zwischen 2010 und 2018 aus dem Robert Koch-Institut und kombinierten diese mit Wetterdaten des Deutschen Wetterdienstes. Dabei zeigte sich ein deutlicher geografischer Unterschied: In den südöstlichen Regionen Deutschlands traten Grippewellen intensiver auf als im Nordwesten – ein Muster, das eng mit dem Grad an Trockenheit und Kälte zusammenhängt.

„Unsere Ergebnisse belegen, dass selbst in einem klimatisch relativ homogenen Land wie Deutschland regionale Wetterunterschiede eine messbare Wirkung auf die Grippeübertragung haben“, sagt Dr. Elisabeth Pfrommer, Erstautorin der Studie. „Vor allem eine niedrige absolute Luftfeuchtigkeit erhöht die Stabilität und Übertragbarkeit von Grippeviren in der Luft.“

Dichte Städte als Infektions-Hotspots

Die Studie identifizierte außerdem Großstädte wie Berlin, Hamburg, München und Köln als Ausgangspunkte der Grippewellen. Dort sei die Bevölkerungsdichte höher, und viele Menschen halten sich im Winter in geschlossenen Räumen auf – Bedingungen, die die Virusübertragung erleichtern.

„Städte fungieren als Motoren der Grippesaison. Von hier aus breiten sich Infektionen in die umliegenden Regionen aus“, erklärt Studienleiter Professor Thomas Gutsmann vom Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum

Neben den meteorologischen Einflüssen spielen auch soziale Faktoren eine Rolle: Innenraumheizung verringert die relative Luftfeuchtigkeit, was sowohl die Überlebensfähigkeit der Viren als auch die Anfälligkeit der Schleimhäute des Menschen erhöht.

Bedeutung für Infektionsforschung und Prävention

Die Erkenntnisse sind nicht nur für die Grippeforschung relevant, sondern auch für andere Atemwegserkrankungen wie COVID-19. Unterschiede in Temperatur und Feuchtigkeit beeinflussen offenbar nicht nur die Virenstabilität, sondern auch, wie schnell sich Infektionen innerhalb von Städten und Landkreisen ausbreiten.

Die Autorinnen und Autoren plädieren dafür, Klimadaten künftig stärker in epidemiologische Modelle einzubeziehen. Zudem sollte das Klima von Innenräumen in der Prävention berücksichtigt werden – etwa durch Luftbefeuchtung oder kontrollierte Belüftung in öffentlichen Gebäuden.

Neue Podcastfolge: Luftübertragung von Viren und saisonale Grippewellen

Mehr Informationen zur neuen Studie und generell zu Verbreitung von Viren über die Atemluft gibt es in der neuen Folge des Podcasts „Mikroben im Visier“. Diese Folge erklärt Aerosole und Tröpfchen, warum Kinder weniger Viren über die Luft verbreiten, als viele denken und warum der Winter Infektionen begünstigt. Der Podcast wird moderiert von Dr. Elisabeth Pfrommer und Dr. Christian Nehls. Zu Gast ist die Kinderlungenfachärztin Prof. Dr. Folke Brinkmann von der Universität zu Lübeck.

Quelle:

Pfrommer, E., Gabriel, G., Schaible, U.E., Gutsmann, T., Schepanski, K. (2025): Transmission of Influenza is Driven by Weather Conditions in Germany. Aerobiologia. https://doi.org/10.1007/s10453-025-09875-9

 

ElisabethPfrommer 2025 klein FotoKerstinPukallDr. Elisabeth Pfrommer, Robert Koch-Institut, untersuchte in ihrer Doktorarbeit im Forschungsverbund Leibniz INFECTIONS, wie Wetterbedingungen mit Grippewellen zusammenhängen. Foto: Kerstin Pukall

Thomas Gutsmann kleinCKerstinPukallProfessor Thomas Gutsmann. Leiter der Studie am Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum. Foto: Kerstin Pukall

 

INFECTIONS Podcast Logo Zeichenfläche 1Der Podcast „Mikroben im Visier. Infektionen verstehen, Resistenzen besiegen!“ ist auf allen gängigen Podcast-Plattformen verfügbar. Hier geht es direkt zur neuen Folge.