Sprache auswählen

NEUIGKEITEN

Für ihre herausragende Arbeit im Bereich der Mykobakteriologie erhielt Dr. Margo Diricks den Gertrud-Meissner-Preis 2026. ©Kerstin Pukall

Die INFECTIONS-Forscherin Dr. ir. Margo Diricks vom Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum (FZB) wurde mit dem Gertrud-Meissner-Preis 2026 ausgezeichnet. Die Ehrung würdigt ihre herausragende Arbeit im Bereich der Mykobakteriologie.

Die European Society of Mycobacteriology (ESM) vergibt den mit 2.000 Euro dotierten Preis jährlich an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einer frühen Karrierephase, die mit exzellenter und innovativer Forschung maßgeblich zur Weiterentwicklung der Mykobakteriologie beitragen. Margo Diricks überzeugte die Jury in diesem Jahr insbesondere durch ihre innovativen Arbeiten zur Weiterentwicklung genomischer Analyseverfahren für nicht-tuberkulöse Mykobakterien (NTM). Die Auszeichnung wurde im Juni 2026 im Rahmen des diesjährigen ESM-Kongresses in Verona von Prof. Stefan Niemann, Programmdirektor des Programmbereichs Infektionen am FZB, überreicht.

Margo Diricks ist promovierte Bioingenieurin und forscht seit 2020 in der Arbeitsgruppe „Molekulare & Experimentelle Mykobakteriologie" am FZB. Im Zentrum ihrer Arbeit steht die Entwicklung genomischer Methoden, mit denen sich Krankheitserreger präzise identifizieren, typisieren und ihre Antibiotika-Resistenzmuster vorhersagen lassen. Dieser Ansatz ist sowohl für die Diagnostik als auch für die frühzeitige Erkennung von Ausbrüchen und die zuverlässige Nachverfolgung von Infektionsketten von Bedeutung. Der Fokus ihrer Forschung liegt dabei auf bakteriellen Lungenerregern, darunter NTM, Mycobacterium tuberculosis sowie Bakterien der Gattung Haemophilus.

Ein besonderer Meilenstein ihrer Forschung ist ein cgMLST-Schema für den schwer zu behandelnden bakteriellen Erreger Mycobacterium abscessus. Das hochauflösende genomische Typisierungsverfahren erlaubt es, die genetische Verwandtschaft von M. abscessus Stämmen im Detail zu untersuchen, etwa um globale Populationen zu analysieren oder mögliche Übertragungswege aufzudecken. Darüber hinaus analysierte sie Tausende Genome unterschiedlicher NTM-Spezies auf das Vorkommen von Plasmiden und lieferte damit neue Einblicke in deren genetische Vielfalt, Anpassungsfähigkeit und potenzielle klinische Relevanz. Ihre Ergebnisse sind unter anderem in den renommierten Fachzeitschriften „Genome Medicine“ und „Nature Communications“ erschienen.

Namensgeberin für den Preis ist Gertrud Meissner, die damit für ihre bedeutenden Bemühungen um die Förderung und den Aufbau einer mykobakteriologischen Forschungsgemeinschaft in Europa geehrt wird. Sie war die erste Leiterin der Abteilung für Medizinische Mikrobiologie am Forschungszentrum Borstel. Ihre Arbeit bildete 1950 die Grundlage für rationale Arzneimittelempfindlichkeitstests. Zudem stellte sie Prinzipien der Resistenzentwicklung bei klinischen Isolaten auf und wies deren Zusammenhang mit der Virulenz nach. Sie unterstützte die mykobakteriologische Fachgemeinschaft kontinuierlich und war Gründungsmitglied der Europäischen Gesellschaft für Mykobakteriologie (ESM).