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NEUIGKEITEN

Mehrere Blisterpackungen mit verschiedenen Tabletten in unterschiedlichen Farben und Formen
Bei bestimmten Antibiotika werden in Spanien große Packungsgrößen abgeschafft und kleinere eingeführt. Dadurch fallen weniger Antibiotikareste an, die zur Selbstmedikation verleiten. Foto: Rychko Yevhen/AdobeStock

Mit einer neuen Verordnung passt die spanische Arzneimittelbehörde AEMPS die Verpackungsgrößen von Antibiotika an aktuelle Behandlungsleitlinien an. Damit sollen Resistenzen durch Selbstmedikation mit Resten früher verordneter Antibiotika verhindert werden.

Die spanische Agentur für Arzneimittel und Gesundheitsprodukte (Agencia Española de Medicamentos y Productos Sanitarios; AEMPS) hat eine umfassende Resolution zur Anpassung der Packungsgrößen von systemischen Antibiotika auf den Weg gebracht. Die Neuregelung verpflichtet Pharmaunternehmen dazu, Großpackungen bestimmter Wirkstoffe wie Amoxicillin, Cefuroxim oder Fosfomycin vom Markt zu nehmen und durch kleinere, an die tatsächliche Behandlungsdauer angepasste Packungsgrößen zu ersetzen. Ziel der Maßnahme ist es, die Entstehung von Antibiotikaresistenzen einzudämmen und die Umwelt vor pharmazeutischen Rückständen zu schützen.

Hintergrund der behördlichen Entscheidung sind neuere wissenschaftliche Erkenntnisse. Klinische Studien zeigen zunehmend, dass eine kürzere Behandlungsdauer bei vielen bakteriellen Infektionen ebenso effektiv ist wie eine längere Therapie, bei einem geringeren Risiko für die Entstehung von Antibiotikaresistenzen. Viele der zugelassenen Packungsgrößen spiegeln diese verkürzten Dosierungsschemata bisher nicht wider. Dies führt dazu, dass nach Abschluss einer Therapie regelhaft Tabletten in den Haushalten der Patienten verbleiben. Wenn diese Reste bei einer späteren Infektion ohne ärztliche Verordnung eingesetzt werden, begünstigt das die Entstehung resistenter Bakterien.

Kleinere Packungsgröße bedeutet weniger Antibiotikareste in den Haushalten und im Abwasser

„Diese Maßnahme der spanischen Behörden ist ein folgerichtiger Schritt“, erklärt Professor Thomas Gutsmann, Sprecher des Forschungsverbunds Leibniz INFECTIONS. „Ungenutzte Antibiotika in Privathaushalten bergen zwei große Risiken: Zum einen verleiten sie zur unkontrollierten Selbstmedikation bei Folgeerkrankungen oder im familiären Umfeld, was die Selektion resistenter Keime beschleunigt. Zum anderen führt die unsachgemäße Entsorgung zu einer direkten Belastung der Umwelt.“

Antimikrobielle Resistenzen (AMR) gelten als eine der größten globalen Bedrohungen für die Gesundheit. Werden Wirkstoffe über das Abwasser in unsere Ökosysteme eingetragen, wirken sie dort als Selektionsdruck auf Umweltbakterien. Resistenzgene können sich so in der Natur ausbreiten und letztlich über die Nahrungskette oder den direkten Kontakt wieder auf den Menschen oder Nutztiere übertragen werden.

Die Resolution der AEMPS, die in enger Zusammenarbeit mit dem spanischen Nationalen Plan gegen Antibiotikaresistenzen (PRAN) sowie verschiedenen wissenschaftlichen Fachgesellschaften erarbeitet wurde, setzt genau an dieser Schnittstelle an. Durch die exakte Portionierung der Abgabemengen soll die Überschussproduktion an der Quelle minimiert werden.

Weitere Information

AEMPS-Resolution vom 28.04.2026 (auf Spanisch)