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Ulrich Schaible, Tanja Traxler, Lorenz Khol, Michaela Lackner und Sigrid Neuhauser (vlnr) tauschten sich beim Journalismusfest Innsbruck über antimikrobielle Resistenzen aus und warum die gemeinsame Betrachtung von Menschen-, Tier- und Pflanzengesundheit dabei entscheidend ist. ©MedUniIBK/ B. Hoffmann

Expertinnen und Experten diskutierten beim Journalismusfest Innsbruck über die Zunahme antimikrobieller Resistenzen und was dagegen getan werden muss. Den Forschungsverbund Leibniz INFECTIONS vertrat Prof. Ulrich Schaible vom Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum.

Die Gesundheit von Menschen, Tieren, Pflanzen und Umwelt ist eng miteinander verknüpft und voneinander abhängig. Im Mittelpunkt der Podiumsdiskussion „Das Ganze im Blick“ beim Journalistenfest Innsbruck stand daher die Frage, wie Gesundheit künftig umfassender gedacht werden kann. Im Fokus stand dabei die globale Bedrohung durch antimikrobielle Resistenzen (AMR). Viele Infektionserreger, Bakterien genauso wie Pilze, entwickeln Resistenzen gegen Wirkstoffe. Infektionen mit resistenten Erregern verzögern Heilungen, machen Behandlungen komplizierter und verursachen derzeit jährlich über 1 Million Todesfälle weltweit. Dass Handlungsbedarf besteht, verdeutlichen Prognosen. Danach sterben 2050 jährlich zehn Millionen Menschen im Zusammenhang mit Infektionen durch wirkstoffresistente Krankheitserreger, sofern keine wirksamen Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

Professor Ulrich E. Schaible, Infektionsbiologe am Forschungszentrum Borstel, Leibniz Lungenzentrum, betonte die Dringlichkeit der Lage: „Die Prognosen für 2050 zeigen deutlich, dass wir jetzt handeln müssen.“ Man dürfe aber die menschliche Gesundheit nicht isoliert betrachten. „Resistente Mikroorganismen entstehen und verbreiten sich nicht nur durch den Selektionsdruck antimikrobieller Therapien, sondern hängen auch mit menschlichen Aktivitäten zusammen. Dazu gehören Einflüsse auf die Umwelt, die Art der Landwirtschaft, die öffentliche Gesundheit und die wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen, unter denen Medikamente entwickelt, verkauft und benutzt werden. Am wichtigsten für die Resistenzentstehung ist, wo, wie, wofür und in welchen Mengen antimikrobielle Wirkstoffe eingesetzt werden.“ Um zu verstehen, warum Resistenzen entstehen und wie sie sich verbreiten, müssen viele Fachrichtungen eng zusammenarbeiten. Diesen Ansatz verfolgt der Forschungsverbund Leibniz INFECTIONS, den Schaible mit aufgebaut hat.

Auf die oft unterschätzte Gefahr durch resistente Pilzstämme machte Professorin Michaela Lackner vom Institut für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie der Medizinischen Universität Innsbruck aufmerksam. „Pilzinfektionen und die zunehmende Resistenz gegen entsprechende Medikamente stehen bisher weniger stark im Fokus der Wissenschaft als Antibiotika-Resistenzen. Dabei sind sie mittlerweile weit verbreitet sowohl in der Landwirtschaft als auch in der Human- und Veterinärmedizin.“ Ziel sei es, die Wirksamkeit der wenigen verfügbaren Medikamente gegen schwere Pilzinfektionen zu erhalten, erklärte die Wissenschaftlerin, die auch Mitglied im wissenschaftlichen Beirat von Leibniz INFECTIONS ist.

An der Diskussion beteiligten sich außerdem der Veterinärmediziner Professor Lorenz Khol von der Veterinärmedizinischen Universität Wien und Professorin Sigrid Neuhauser von der Universität Innsbruck. Moderiert wurde die Veranstaltung von Wissenschaftsjournalistin Tanja Traxler.

Über One Health

Der One-Health-Ansatz verfolgt das Ziel, Gesundheitsfragen interdisziplinär zu betrachten. Dabei arbeiten Human- und Veterinärmedizin, Umweltforschung sowie weitere wissenschaftliche Disziplinen zusammen, um globale Gesundheitsrisiken frühzeitig zu erkennen und einzudämmen.

Über das Journalismusfest Innsbruck

Das Journalismusfest Innsbruck – Internationale Tage der Information ist ein für alle zugängliches Festival mit Journalisten und Journalistinnen aus aller Welt und mit anderen kundigen Vermittler*innen von Information. Veranstalter ist der gemeinnützige Verein „Journalismusfest Innsbruck – Verein zur Stärkung von Qualitätsjournalismus, der Informationsfreiheit und der Demokratie“.

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