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Bei einer Online-Vortragsreihe der „One Health Platform“ diskutierten Fachleute über die Rolle von Nutztierhaltung und Böden bei der Ausbreitung resistenter Mikroorganismen. INFECTIONS-Forscherin Dr. Tina Kabelitz vom Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie e.V. (ATB) stellte Forschungsprojekte des Leibniz Forschungsverbunds vor.

Die globale Ausbreitung von antimikrobiellen Resistenzen (AMR) gehört zu den drängendsten Gesundheitsbedrohungen weltweit. Im Rahmen der virtuellen Vortragsreihe „AMR im One Health Kontext“ beleuchteten Forschende am 1. Juli 2026, wie eng die Interaktionen zwischen Tierhaltung, Böden und Ökosystemen im Agrarsektor verwoben sind. Im Zentrum stand dabei die Erkenntnis, dass die Umwelt kein passiver Empfänger ist, sondern als Speicher und evolutionäres Labor für Resistenzen fungiert. 

Übertragungswege in der Nutztierhaltung

Den Forschungsverbund Leibniz INFECTIONS vertrat Dr. Tina Kabelitz vom Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie e. V. (ATB). In ihrem Vortrag informierte sie über das Vorkommen und die Übertragungswege von AMR in der Nutztierhaltung. Da schätzungsweise drei Viertel aller weltweit eingesetzten Antibiotika auf die Tiermedizin entfallen, kommt der Landwirtschaft eine Schlüsselrolle bei der Resistenzdynamik zu. „Unsere Forschung macht klar, dass die Reduktion von AMR nur mit One Health Maßnahmen möglich ist."

Wie wichtig die Forschung ist, demonstrierte Kabelitz am Beispiel der Schweinemast: Bei neu eingestallten Ferkeln lässt sich oft ein Anstieg resistenter E. coli-Bakterien beobachten, der sich nicht allein durch den aktuellen Antibiotikaeinsatz im Stall erklären lässt. Stressfaktoren wie Transport, die Trennung vom Muttertier und Futterumstellungen begünstigen diese Entwicklung. Zudem wies die Wissenschaftlerin auf die Relevanz von Umweltfaktoren bei der Ausbreitung innerhalb der Stallungen hin. Hohe Anteile resistenter Keime wurden sowohl im Stallstaub als auch in Fliegen nachgewiesen, was die Vektorenfunktion von Insekten und die luftgetragene Verbreitung über Aerosole untermauert. Überraschend war der Befund einer Studie, dass eine Ausweitung der Hygienemaßnahmen, einschließlich optimierter Desinfektion und Insektenbekämpfung, nicht zwingend zu einer signifikanten Reduktion der Resistenzen führt. Offensichtlich ist Hygiene als einziger Faktor nicht ausreichend, um Resistenzen in der Tierhaltung zu reduzieren, da Resistenzen ein sehr komplexes Problem sind.

Lösungsansätze vom Stall bis zum Düngemanagement

Wirksame Interventionsstrategien sind laut Kabelitz integrierte Maßnahmen, die beim Tierwohl und der Prävention ansetzen. Hierzu zählen unter anderem Außenklimaställe, in denen die Tiere mehr Platz haben und ihren natürlichen Verhaltensweisen besser nachgehen können. Die Tiere seien dann gesünder und benötigten insgesamt weniger Antibiotika. Ebenfalls wichtig sei die Krankheitsprophylaxe. So konnte gezeigt werden, dass durch ein KI-gestütztes Frühwarnsystem Euterentzündungen bei Milchkühen früher erkannt und dadurch einfacher mit Antibiotika behandelt werden können. Ein weiterer Hebel liegt im Düngemanagement: Die gezielte Behandlung von Hühnermist mittels Kompostierung oder Vergärung, gesteuert über Parameter wie Feuchtigkeit und Temperatur, bietet vielversprechende Ansätze, um die Überlebensrate resistenter Keime vor der Ausbringung auf die Felder effektiv zu dezimieren.

Gülle und Umweltstressoren verändern das Bodenresistom

Die weiteren beiden Vorträge gingen detailliert auf die Situation der Böden ein. Prof. Dr. Anja Worrich, von der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg, legte dar, wie der Eintrag von Gülle das pflanzenassoziierte Mikrobiom beeinflusst und wie der Klimawandel das Schicksal von Resistenzgenen im Boden steuert. Dass landwirtschaftliche Böden im Vergleich zu Wald- oder urbanen Böden die höchste Vielfalt an klinisch relevanten Hochrisiko-Resistenzgenen aufweisen, bestätigte auch Prof. Dr. Michael Schloter von der Technischen Universität München. Aber auch urbane Böden seien belastet, insbesondere infolge einer reduzierten Biodiversität. Er wies zudem auf den Effekt der Koselektion hin: Auch Schadstoffe wie Schwermetalle oder Pestizide können über unspezifische Abwehrmechanismen der Bakterien Multiresistenzen gegen Antibiotika hervorrufen.

Weitere Informationen:

One Health Platform