Dr. Megarsa Jaleta hat im Forschungsverbund Leibniz INFECTIONS zu Antibiotikaresistenzen bei Ferkeln geforscht. Im Mai 2026 hat er seine Dissertation an der Veterinärmedizinischen Fakultät der Freien Universität Berlin erfolgreich verteidigt. Die Arbeit untersuchte, wie Hygienemaßnahmen die Verbreitung antibiotikaresistenter Bakterien in der Schweinehaltung beeinflussen und wie sich das Vorkommen von Resistenzgenen zwischen Ferkeln und mit deren Alter verändert.
Im Mittelpunkt von Dr. Jaletas Forschung stand die Frage, wie sich antimikrobielle Resistenzgene bei Absetzferkeln entwickeln und welche Rolle betriebliche Hygienemaßnahmen dabei spielen. Antimikrobielle Resistenzen entstehen, wenn Bakterien unempfindlich gegenüber Antibiotika werden. Sie gelten weltweit als eine der zentralen Herausforderungen für die Tier- und Humanmedizin. Nach dem Ende der Säugezeit sind die sogenannten Absetzferkel oder Aufzuchtferkel aufgrund von Stress und einem unreifen Immunsystem besonders anfällig für Infektionen. Daher erhalten Absetzferkel die meisten Antibiotika im Vergleich zu anderen Altersgruppen in der Schweineproduktion. In Sinne des One Health Kontexts ist das Verständnis über die Ausbreitung von Resistenzgenen in dieser Altersgruppe von zentraler Bedeutung für den Gesundheitsschutz von Menschen und Tieren.
Die Studie untersuchte, wie sich die Häufigkeit und Vielfalt von Antibiotikaresistenzgenen (ARGs) im Kot von Absetzferkeln über einen Zeitraum von acht Wochen veränderte. Dabei stand die Frage im Fokus, wie stark sich einzelne Tiere in einer Herde voneinander unterscheiden und ob Sammelproben aus der Bucht ein repräsentatives Bild der individuellen Belastung liefern. Dabei stellt er fest, dass die Menge an Antibiotikaresistenzgenen im Darm von Absetzferkeln selbst bei identischer Haltung stark zwischen den einzelnen Tieren variiert. Zudem lässt sich das Gesamtvorkommen dieser Gene in einer Gruppe nicht allein durch Stichproben einzelner Tiere vorhersagen, da Sammelproben vom Stallboden deutlich höhere Resistenzen aufweisen. Die Ergebnisse seiner Arbeit wurden in den Fachzeitschriften Frontiers in Veterinary Science und Frontiers in Microbiology veröffentlicht.
Hygienemaßnahmen und Resistenzgene
Resistenzgene gegen weit verbreitete Antibiotika wie Tetracycline und Makrolide kamen besonders häufig vor. Überraschenderweise spielten kurzzeitige Antibiotikabehandlungen einzelner kranker Tiere eine untergeordnete Rolle für die Gen-Dynamik; vielmehr prägten das Alter der Tiere und die Futterumstellung das mikrobielle Profil. Auf dem Stallboden gesammelte Mischproben zeigten signifikant höhere Resistenzmengen als frischer Kot einzelner Tiere. Dies deutet darauf hin, dass sich die Gene in der Stallumwelt anreichern oder dort stabiler überdauern.
Die Arbeit mit dem Titel „Surveillance of antimicrobial resistance in weaner pigs: Impacts of hygiene interventions and resistance gene dynamics” entstand in der Arbeitsgruppe „Infektionen und antimikrobielle Resistenzen bei Nutztieren“ (Leitung: Dr. Tina Kabelitz) am Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie e.V. (ATB) und in der Abteilung „Mikrobielle Genomforschung“ (Leitung: Prof. Dr. Ulrich Nübel) am Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH (DSMZ). Als weitere Kooperationspartner waren beteiligt: das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung, ZALF, (Dr. Doreen Werner), das Leibniz-Institut für Photonische Technologien, IPHT, (Dr. Anja Silge) und die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, CAU, (Prof. Dr. Christina Hölzel).
„Unsere Daten zeigen deutlich, dass kein Absetzferkel in Bezug auf Antibiotikaresistenzen dem anderen gleicht. Diese individuelle Variabilität zu verstehen, ist der Schlüssel, um gezieltere Maßnahmen gegen die Ausbreitung von Resistenzen in der Tierhaltung zu entwickeln“, betont Dr. Megarsa Jaleta. „Für ein zuverlässiges Monitoring in der Nutztierhaltung reicht es daher nicht aus, einzelne Tiere zu testen. Wir müssen die gesamte Stallumwelt und diverse Übertragungswege (z.B. Fliegen, Staub, Futter) einbeziehen, um die Ausbreitung von Resistenzen effektiv zu minimieren“, ergänzt Dr. Tina Kabelitz, wissenschaftliche Betreuerin am ATB.
Das Fazit von Dr. Jaleta: „Es ist wichtig, die Hygiene in Schweineställen zu verbessern, da dies den Infektionsdruck senken kann; allein führt dies jedoch oft nur zu uneinheitlichen Rückgängen bei der Antibiotikaresistenz. Um nachhaltige Fortschritte im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen zu erzielen, bedarf es einer umfassenden Managementstrategie, die verschiedene Ursachen und Übertragungswege der Antibiotikaresistenz berücksichtigt, darunter auch, aber nicht ausschließlich, die Hygiene.
Quellen:
Jaleta M et al. (2024). Improvements of weaned pigs barn hygiene to reduce the spread of antimicrobial resistance. Frontiers in Microbiology, 15, 1393923. https://doi.org/10.3389/fmicb.2024.1393923
Jaleta M et al. (2026): Antimicrobial resistance genes in weaned pigs: quantitative abundance and group dynamics assessed by qPCR. Frontiers in Veterinary Science 12:1709227. https://doi.org/10.3389/fvets.2025.1709227
Kontakt
Dr. Megarsa Jaleta
Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie e.V. (ATB)
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Dr. Tina Kabelitz
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Leiterin der Abteilung „Infektionen und antimikrobielle Resistenzen bei Nutztieren“
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Prof. Dr. Ulrich Nübel
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Leiter der Abteilung „Mikrobielle Genomforschung“
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Dr. Megarsa Jaleta hat im Forschungsverbund Leibniz INFECTIONS zu Antibiotikaresistenzen bei Ferkeln geforscht. Im Mai 2026 hat er seine Dissertation an der Veterinärmedizinischen Fakultät der Freien Universität Berlin erfolgreich verteidigt. ©Kerstin Pukall